Landersdorf/Waizenhofen – Wie stark und wie häufig der Wind weht, können wir nicht beeinflussen. Das vergangene Jahr war daher für die Bürgerwindenergie Thalmässing ein echter Erfolg. Das Windaufkommen in der Region lag mit 119 % deutlich über dem üblichen Durchschnitt und markiert damit einen Rekord seit Bestehen des Windrads.
Seit 2015 betreiben die beteiligten Gemeindebürger die Energieerzeugungsanlage im Rahmen des Echten Bürgermodells. Das Wort „Bürger“ führen Betreiber von Windenergieanlagen inzwischen häufiger im Namen. Meist beschränkt sich die Rolle des Bürgers dabei aber auf die eines Darlehensgebers. Dieser erhält regelmäßige eine Zinszahlung, darf jedoch an den unternehmerischen Entscheidungen nicht mitwirken.
Anders beim Echten Bürgermodell. Hier haben die Bürger direkten Einfluss auf Entscheidungen und können stolz von "ihrem Windpark" sprechen.
Die Beteiligung der Menschen vor Ort beim Echten Bürgermodell führt dazu, dass der Fokus neben der Erzeugung von Grünstrom auch auf der regionalen Wertschöpfung und dem Klimaschutz liegt. Dies zeigt sich auch in der finanziellen Unterstützung lokaler Projekte sowie gemeinnütziger Organisationen durch die Bürgerwindenergiegesellschaft.
Schon die Errichtung eines Windparks ist für Privatpersonen meist eine unüberwindbare Hürde. Doch damit ist es nicht getan. Die technisch komplexen und sensiblen Anlagen müssen fortlaufend überwacht und gewartet, die erzeugte Energie am Strommarkt verkauft werden. Um einen optimalen Betrieb der Anlagen zu gewährleisten, bedarf es einem eingespielten Team aus Technikern und Kaufleuten. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Betriebsführer zahlt sich daher für die beteiligten Bürger aus. Unter Regie der Firma Wust – Wind & Sonne konnte das Bürgerwindenergie Thalmässing bisher stets die vor Projektbeginn prognostizierten Ausschüttungen übertreffen. Dies schafft Vertrauen und bestätigt, dass die Investition in den Bürgerenergiepark eine richtige Entscheidung war.
Die Windkraft hat im Gegensatz zu fossilen Energieträgern zahlreiche, positive Effekte auf das Klima. Allein im Jahr 2023 konnten 26.832 Tonnen CO2 eingespart werden und damit ca. 2.981 Bürger klimaneutral leben. Das Bürgerwindenergie Thalmässing leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Verlangsamung des Treibhauseffekts.
Ein Windrad bedeutet aber auch einen Eingriff in das gewohnte Landschaftsbild und bringt bisweilen unerwünschte Erscheinungen mit sich. Mitunter nehmen Menschen die von den Anlagen ausgehenden Geräusche oder den Schattenwurf als störend wahr. Um dies zu kompensieren hat der Gesetzgeber im Jahr 2023 ein neues Instrument geschaffen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erlaubt es den Anlagenbetreibern einen Betrag von 0,2 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde an die Gemeinden zu zahlen, welche im Umkreis von 2,5 km flächenanteilsmäßig an die Anlagen angrenzen. Die Bürgerwindenergie Thalmässing zahlt diese Abgabe freiwillig. Aufgrund der jährlichen Produktionsmenge von 34,5 Millionen Kilowattstunden fließen 69.000 € an die Kommunen Thalmässing, Titting, Greding und Nennslingen. Zusätzlich profitiert die Standortgemeinde auch von der Gewerbesteuer, welche für Städte und Kommunen eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellt.
Die Standortgemeinden können mit den Einnahmen aus den Erneuerbaren wichtige und nachhaltige Entwicklungen vor Ort, wie beispielsweise die Vereinsarbeit sowie Sport-, Jugend- und Kulturprojekte fördern.
Zusätzlich setzt die Bürgerenergiegesellschaft auch auf direkte Hilfe und spendet Jahr für Jahr einen Teil des Erlöses an gemeinnützige Organisationen. In diesem Jahr wurden Feuerwehren in Landersdorf und Waizenhofen mit je 5.000 € unterstützt.
In Landersdorf kann die Spende für den geplanten Gemeinschafts-/Jugendraum über dem Feuerwehrhaus gut gebraucht werden. In Waizenhofen möchte man Mobiliar für den kürzlich neu sanierte Gemeinschaftshalle anschaffen. Bürgermeister Johannes Mailinger und Alexander Bromberger von der Fa. Wust übergaben die Spenden an die Vertreter der Ortsteile.
So gehen die Erzeugung von grünem Strom, die regionale Wertschöpfung und das gesellschaftliche Engagement Hand in Hand. Dies fördert die lokale Akzeptanz und gibt der Energiewende damit weiteren Rückenwind.